Oscar-Chance für bosnisch-österreichische Koproduktion ‚Quo vadis, Aida?‘

Jasmila Žbanićs Film „Quo vadis, Aida?“ befindet sich auf der am Dienstag von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles bekannt gegebenen, 15 Titel umfassenden Shortlist für den Auslands-Oscar.

Die bosnisch-österreichische Koproduktion blickt auf eines der verdrängten, vergessenen Traumata der jüngeren Geschichte: das Massaker von Srebrenica. Den Film von Drehbuchautorin und Regisseurin Žbanić konnte man schon im Herbst bei den Filmfestspielen von Venedig und auf der Viennale sehen.

Worüber handelt der Film? Aida arbeitet als Übersetzerin für die UNO in der bosnisch-herzegowinischen Kleinstadt Srebrenica. Als es zur Machtübernahme durch die serbische Armee kommt, ist ihre Familie eine der tausenden BürgerInnen, die im UNO-Lager Schutz suchen. Aida muss im Zuge der politischen Verhandlungen fatale Informationen mit grausamen Auswirkungen übersetzen. Im Film spiele u. a. Jasna Đuričić (Aida), Izudin Bajrović (Nihad), Boris Ler (Hamiđa), Dino Bajrović (Ejo) und Johan Heldenbergh (Colonel Karremans). Der ORF beteiligte sich auch an der Produktion und der Film wurde im Sommer 2019 gedreht.

„Persönlich ist Srebrenica mir sehr nahe, weil ich den Krieg von 1992 bis 1995 in Sarajevo verbracht habe, in der Stadt, die ebenfalls belagert wurde, und wir hätten genauso enden können wie Srebrenica. Ich habe viel gelesen und viele Frauen und ihren Geschichten zugehört über ihre Söhne, Gatten, Brüder und Väter, die von den Vereinten Nationen verlassen und von der Armee der bosnischen Serben gefangen genommen wurden. Diese Geschichten, die jeden Tag in den Medien erschienen, haben mich emotional sehr beeinflusst. Tatsache ist, dass auch heute noch, nach 25 Jahren, 1.700 Menschen vermisst werden. Die Geschichte von Srebrenica ist ein Drama, das mich als Filmemacherin völlig vereinnahmt hat.“

Jasmila Žbanić für die “Wiener Zeitung” 2020

Aus der Shortlist werden fünf Kandidaten bestimmt und diese werden dann mit den Oscar-Nominierungen in allen anderen Sparten am 15. März verkündet. Die Oscar-Preisvergabe soll am 25. April stattfinden, wegen der Corona-Pandemie später als in den letzten Jahren.



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LM