Mr. Europe: Kroatien trauert um seinen Freund

Mr. Europe: Kroatien trauert um seinen Freund

Der von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnete Alois Mock, ehemaliger Vizekanzler, ÖVP-Chef und Außenminister, verstarb am 1. Juni 2017, kurz vor seinem 83. Geburtstag. In Erinnerung bleibt er als Brückenbauer und passionierter Europäer.

Er ging in die Geschichte als einer der Väter der österreichischen EU-Mitgliedschaft, da er eine wichtige Rolle für den positiven Verhandlungsbeschluss spielte. Jahrelang hatte er sich für den Beitritt Österreichs eingesetzt. Sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene erhält er viel Lob und wird als „Mr. Europe“ oder „Held“ betitelt. Unvergessen bleibt das Bild des symbolischen Durchschneidens des Eisernen Vorhangs vom 27. Juni 1989, wo Mock gemeinsam mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn ein Loch in den Grenzzaun schnitt, der beide Länder trennte.

Mock war Mitglied der österreichischen Volkspartei (ÖVP), die er als Bundesparteiobmann von 1979 bis 1989 lenkte.Von 1987 bis 1995 war er österreichischer Außenminister, innerhalb der österreichischen Gesellschaft bleibt er als jener Mann im Gedächtnis, der den Beitritt Österreichs in die Europäische Union wesentlich beeinflusste und dafür am meisten verantwortlich war. Seine Weitsicht, Verhandlungshartnäckigkeit und starke Überzeugungskraft ließen ihn dabei nie im Stich.

Großer Österreicher und glühender Europäer
Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich tief ergriffen vom Ableben des brillanten Politikers: „Österreich verliert mit ihm einen Staatsmann, der vor allem als langjähriger Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten den Weg Österreichs in die EU mit großer Leidenschaft und Hingabe vorangetrieben und durchgesetzt hat.“ Dass er fortwährend innerhalb seiner politischen Karriere auf Konsens ausgerichtet war und einen beträchtlichen Einsatz zeigte, stets das Gemeinsame über das Trennende zu stellen, betont Van der Bellen mit aller Nachdrücklichkeit.

Die gesamte ÖVP würdigt Mock und spricht ihr großes Mitgefühl der Familie und Angehörigen aus, so auch ÖVP-Chef Sebastian Kurz: „Wir verlieren mit Alois Mock einen zutiefst verantwortungsbewussten Menschen, eine überzeugende Persönlichkeit, einen großen Österreicher & einen glühenden Europäer!“ Insbesondere die Überzeugungen des Verstorbenen sieht Kurz als Auftrag, Europa aus der momentanen Krise zu bringen. Ebenso gab es Trauerbekundungen aus allen anderen Parteien, die die großartigen Leistungen des Verstorbenen würdigten.

Trauer in Slowenien und Kroatien
Mock war ein langjähriger Freund Slowenien und Kroatiens und machte sich für die Unabhängigkeit beider Länder im blutigen Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens stark. Mock setzte alles daran, eine friedliche Konfliktlösung zu schaffen und ebnete den früheren Teilrepubliken Jugoslawiens den Weg in die Freiheit. Für sein Engagement wird er am Balkan hochgeschätzt. Letztlich gelang es ihm, dass die Autonomie beider Länder von Österreich als ersten Staat anerkannt wird. Ex-Bundespräsident Fischer bezeichnete die Anerkennung von Slowenien und Kroatien als mutigen und zentralen Schritt, obzwar mit der Frage der Anerkennung innerhalb der österreichischen Politik ein gewaltiger Disput folgte. Mock stand im Zentrum der Ereignisse und erlangte über Österreich hinaus große Bekanntheit.

Sowohl die slowenische als auch die kroatische Republik reagierten mit Trauerbekundungen anlässlich des Ablebens Mocks. Sie betonten vor allem seinen Mut und seine Unterstützung im Erlangen der Autonomie. In Kroatien erhielt der Ex-Außenminister zahlreiche Würdigungen. Die Universität in Zagreb verlieh Mock die Ehrendoktorwürde und die Insel Brac errichtete zu seinen Ehren ein Denkmal. An der Universität in Zadar wurde anlässlich des EU-Beitritts Kroatiens der besondere Verdienst Mocks gelobt, indem eine Bibliothek errichtet und nach dem ehemaligen österreichischen Außenminister benannt wurde, um auf das besonders enge und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Österreich und Kroatien aufmerksam zu machen. 

kroativ.at /  Foto: http://www.alois-mock.at/

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