Integration Teil 2: Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Integration Teil 2: Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Im Zuge des neuen Integrationsgesetzes in Österreich wird auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr diskutiert. Zusätzlich zu dem bereits bestehenden verpflichtenden und kostenlosen Kindergartenjahr für alle Kinder soll nun ein zweites dazukommen. Dadurch sollen unterschiedliche familiäre Situationen ausgeglichen und allen Kindern ein chancengerechter Einstieg in die Schullaufbahn ermöglicht werden.

Die Debatte um ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr wird in der Integrations- und Bildungspolitik schon eine Weile geführt. Jetzt kommt die Diskussion zu ihren Höhepunkt: im September diesen Jahres soll ein endgültiger Entschluss gefasst werden. Allen 4- bis 5-Jährigen Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, soll der kostenlose Kindergartenbesuch um ein zweites Jahr vor der Einschulung erweitert werden. Denn Studien haben ergeben, dass Eltern mit höheren Bildungsabschlüssen und dementsprechend meist einem höheren Einkommen ihre Kinder eher in den Kindergarten schicken, als Eltern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen, geringerem Einkommen oder Migrationshintergrund.

Das zweite verpflichtende und weiterhin kostenlose Kindergartenjahr soll diese Unterschiede und Ungleichheiten ausgleichen, um so allen Kindern die gleichen Chancen und Förderungen anzubieten. Denn eine mehrjährige institutionelle Förderung bringe deutlich positivere Effekte als eine einjährige, heißt es im Entschließungsantrag. Vor allem die sprachliche Bildung ist im Kindergarten ein enorm wichtiger Aspekt. Studienergebnisse zeigen, dass 15 Monate vor der Einschulung 24% der Kinder sprachlichen Förderbedarf haben. Dies betrifft aber nicht nur Kinder mit Deutsch als Zweitsprache. 10% aller Kinder mit Deutsch als Erstsprache brauchen ebenfalls Förderungen in der Sprachentwicklung.

Vermittlung von Werten
Neben der sprachlichen Wichtigkeit des Kindergartens, hat er auch eine wesentliche Funktion als Integrations- und bildungspolitische Einrichtung. Im Kindergarten kommen Kinder verschiedener Herkunft und sozialer Klasse zusammen und setzen sich mit einem bestimmten Wertesystem auseinander, das sich von dem der eigenen Familie unterscheidet. Dabei werden den Kindern Konflikt- und Teamfähigkeiten mit auf den Weg gegeben, zwei wesentliche menschliche Eigenschaften, die sie für das weitere Leben brauchen werden. Auch durch gemeinsame kreative Tätigkeiten lernen die Kinder voneinander und überwinden scheinbare sprachliche und kulturelle Grenzen.

Bisherige Fortschritte und Diskussionen
Seit September 2009 wird allen Kindern in Österreich im Jahr vor der Einschulung die Möglichkeit geboten, im Ausmaß von 16-20 Wochenstunden kostenlos einen Kindergarten zu besuchen. Seit September 2010 sind sie außerdem im gesamten Land dazu verpflichtet.

Beim zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr gibt es im politischen Diskurs jedoch nach wie vor noch Diskussionen. Während die SPÖ dafür ist und zwar für alle Kinder, möchte die ÖVP es nur für diejenigen vierjährigen Kinder anbieten, „die es brauchen“, die also besonderen Bedarf in der Sprach- und Entwicklungsförderung aufweisen. Ein Argument gegen diese Wahlfreiheit wäre jedoch das Budget, denn sobald das zweite Kindergartenjahr für alle verpflichtend ist, muss es auch kostenlos sein. 

Tina Čakara / Foto: Luis Louro

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