Mauterhöhung in Kroatien: Zusätzliche Einnahmen dank Touristen

Mauterhöhung in Kroatien: Zusätzliche Einnahmen dank Touristen

Pünktlich zur Urlaubszeit führte Kroatien eine Erhöhung der Mautgebühren ein. Wir haben zusammengefasst welche Gründe es dafür gab, welche Strecken es betrifft und mit wie viel man pro Fahrt rechnen kann.

Kroatiens Autobahnen sorgen bereits seit Jahren immer wieder für sehr viel Diskussionsstoff in der kroatischen Bevölkerung. Der Bau neuer Autobahnabschnitte sorgte bereits 2010 für großen Aufruhr. Die von der Regierung geplante Monetarisierung der Autobahnen im Jahr 2016 wurde von der Bevölkerung nicht nur stark kritisiert, sondern auch durch ein Referendum verhindert. Nun setzt die kroatische Regierung in Zusammenarbeit mit der Weltbank auf einen Restrukturierungsplan, der eine Erhöhung der Autobahnmaut beinhaltet.

Betrachtet man den Schuldenberg von 39 Milliarden Kuna, das sind zum aktuellen Kurs rund 5,2 Milliarden Euro, den die kroatischen Autobahnbetreiber in den letzten Jahren angehäuft haben, so wird ersichtlich, dass eine Reform dringend notwendig ist. Allein dieses Jahr müssen die Autobahnbetreiber „HAC - Hrvatski Auto Club“, „Hrvatske ceste“ und „ARZ - Autocesta Rijeka-Zagreb“ 7,8 Milliarden Kuna zurückzahlen. 2018 fallen 8,2 Milliarden Kuna an und 2019 sogar 9 Milliarden Kuna, das sind umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro. Geld, welches die Autobahnbetreiber nicht haben.

Zusätzliche Einnahmen dank eines Sommertarifs

Durch die allgemeine Erhöhung der Autobahnmaut um 5 % und die Vereinheitlichung der Mautgebühren zwischen HAC und ARZ erhoffen sich der kroatische Verkehrsminister Oleg Butković und der Finanzminister Zdravko Marić sowie die Weltbank eine Steigerung der Einnahmen. Dank eines Sommertarifs werden zwischen dem 1. Juli und dem 30. September zusätzliche 10 % eingenommen. Im Vergleich bedeutet das für die Fahrer, dass sie insgesamt 15 % mehr Mautgebühren zahlen als letzten Sommer.

Die Erhöhung der Mautgebühren betrifft folgende Autobahnabschnitte:

A1 Zagreb (vom Knoten Bosiljevo 2) – Split – Dubrovnik

A3 Bregana – Zagreb – Lipovac

A4 Zagreb – Gorican

A5 Beli Manastir – Osijek – Svilaj

A 10 ab dem Grenzübergang zu BiH – Ploce

A 11 Zagreb - Sisak

So kostet die Maut für die Strecke Zagreb–Dubrovnik jetzt 232 Kuna bzw. 31,35 Euro und von Zagreb nach Osijek 122 Kuna bzw. 16 Euro. Im Vergleich: Die österreichische Jahresvignette kostet 86,40 Euro, die slowenische Jahresvignette 110 Euro.

Angaben über die genauen Preise der einzelnen Mautstrecken findet man auf der Homepage des HAC: http://hac.hr/hr/cestarina/cjenik

Umgehung der Mautgebühren

Bisher erhielt man als Nutzer des elektronischen Zahlungssystems ENC 21,74 % Rabatt auf die Mautgebühren. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Die ENC-Box muss lediglich sichtbar am Armaturenbrett angebracht werden und schon spart man nicht nur Geld, sondern kommt auch schneller durch die Mautstationen. Wo man die Box erwerben kann, erfährt man hier: http://hac.hr/cestarina/prodaja-i-nadoplata

Wer die Mautgebühren komplett umgehen möchte, hat die Möglichkeit auf seinem Navigationsgerät die Einstellung „keine Mautstraßen“ zu wählen. Das Navi plant die Route dann über die Bundesstraßen und vermeidet so die Mautgebühren.

Einheitliches Mautsystem für Europa

Alle europäischen Mitgliedstaaten haben derzeit unterschiedliche Mautsysteme. So gibt es zum Beispiel in Österreich und Slowenien eine Klebevignette, in Ungarn eine elektronische Vignette, in Deutschland ist ebenfalls eine elektronische Kennzeichenvignette geplant, in Frankreich gibt es, wie in Kroatien, ein geschlossenes Mautstreckensystem.

Die EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc möchte das allerdings ändern und plant nun ein einheitliches Mautsystem für die Europäische Union. Ziel ist es, Autofahrern ein freies Fahren zu ermöglichen, ohne für Mautgebühren stehen bleiben zu müssen. Bulc strebt eine streckenabhängige Maut an, bei der die Gebühren nach Kilometer und vielleicht sogar nach Umweltbelastung berechnet werden. Die Einnahmen durch die Mautgebühren sollen an die jeweiligen Mitgliedstaaten abgeführt werden. Im Mai erhielt Bulc bereits Gesetzesvorschläge. Bis 2019 soll es laut der Verkehrskommissarin eine Einigung geben.

Bis dahin wünscht das kroativ Team eine schöne und sichere Fahrt!

Magdalena Čerkezović / kroativ.at

Print

Ähnliche Artikel

Foto des Tages
Foto des Tages
Events
« »
  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So
FotogalerieAlle anzeigen